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Erstmals seit vier Jahren habe ich heuer die Rückrunde der Bundesliga und der Premier League, sowie die Australian Open ausgelassen. Umso mehr freute ich mich auf das erste Golf Major der Saison, die Masters in Augusta.

 

Wie üblich fing ich zwei Wochen vor Turnierstart mit den Recherchen an. Meine to do Liste einer Vorbereitung sieht wie folgt aus: Check-up aller Teilnehmer bezüglich a) allgemeine Performance der letzten sechs Monate b) der Leistungsausweis von Parcours, die Masters Bedingungen aufweisen (z.B. die Shell Houston Open) c) das Abschneiden beim Masters in den letzten 10 Jahren d) Gesundheitszustand e) private issues (z.B. letztes Jahr: Tigers Affinität zum Escort Service/Scheidung oder die Brustkrebs Erkrankung von Mickelson’s Frau) etc.

 

Danach geht es auf die Quotenjagd… welche Betseite? Vielfalt der Wettmöglichkeiten? Evtl. Quotenfehler? (kommt inzwischen selten vor aber ein bis zwei Schnäppchen sind immer dabei) und schliesslich und endlich: welche Quote bietet, auf die hardskill basierend, die beste EV?

 

Kurz vor dem Turnierstart habe ich insgesamt 45 verschiedene Wetten platziert. Gewöhnlich positioniere ich die Grosswetten in Kooperation mit einer neunköpfigen Wettgemeinschaft und bei den „Kleinen“ spiele ich solo.

 

Grundsätzlich sind die Quoten beim Golf ausgesprochen interessant. Insbesondere die Head-to-Head Quote bei einem Flight über eine vollständige Runde oder sogar über die ganze Turnierdistanz ist bemerkenswert.

 

Das hat seinen guten Grund, denn im Gegensatz zum Tennis (Nadal, Djokovic, Federer, Zäsur… Top 10… Abstand… Top 20 usw.) unterscheidet sich das Niveau in der Weltspitze nur in Nuancen. Bezüglich Tagesform und Runde ist ein Spieler der im letzten Drittel der Top 100 steht, jederzeit in der Lage einen Top Ten Spieler zu schlagen.

 

Gleichzeitig ist es unheimlich schwer die richtige Paarung zu finden, die eine vernünftige Prognose erlaubt. Einzig bei den vier Majors sind die Topleute besonders motiviert und tendenziell meist weit vorne platziert.

 

Trotzdem… Herrn Charl Schwartzel, der am vergangenen Sonntag das Masters gewonnen hat, hatte ich nirgends auf meiner Liste. Obwohl ich ihn beim European Masters in Crans-Montana schon live bewundern konnte und auch von seinen Qualitäten überzeugt bin… einen Major Titel habe ich ihm nicht zugetraut!

 

Obviously all my winner bets were crushed…

 

Andererseits hatte ich Adam Scott, Luke Donald, Tiger Woods, K.J. Choi, Angel Cabrera, Steve Stricker und den letztjährigen Sieger Phil Mickelson in den Top Ten platziert. Die beiden Letztgenannten haben leider „versagt“ aber meine fünf „Boys“ die gestochen haben, versüssten meinen frühen Montagmorgen…

 

Next Stopp… French Open

 

Da konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Runden 1 und 2. Die Wettstrategie in der ersten Turnierwoche ist kein Rätsel mit sieben Siegeln… in den ersten beiden Runden setzen sich die Sandplatzspezialisten überwiegend durch. In diesem Sinne werde ich beim Wetten nicht kleckern sondern kräftig klotzen.

 

Ende Mai/Anfang Juni drücke ich aus offensichtlichen Gründen den spanischen Tennisjungs die Daumen und kann ich mich an den Russian Girls mit den schnellen Rackets, ihren Stöhnorgien und kurzen Röcken nicht satt genug sehen…

 

Federer

 

Seit seiner Juniorenzeit verfolge ich Federers Karriere. Der frühere Federer, ein wilder manchmal sogar jähzorniger Teenager entwickelte sich zum besten Tennisspieler aller Zeiten. Ich geniesse es ihm zuzuschauen und leide schrecklich wenn er verliert. Bis anhin konnten nur Borg und Becker solche Gefühle bei mir auslösen… und natürlich Chris Evert, die schönste professionelle Tennisspielerin, die je einen Court betrat… wobei diese Emotionen anderer Natur waren…

 

Vermutlich ist Sampras der beste Netzspieler und Agassi der beste Rückschläger, den die Tenniswelt je gesehen hat.

 

Wahrscheinlich hatte Edberg die beste einhändige Rückhand und Becker war vielleicht der leidenschaftlichste Kämpfer.

 

Womöglich hat niemand soviel Tennisgefühl in seinem linken Handgelenk wie McEnore und keiner hat mehr aus seinem bescheidenen Talent gemacht als Lendl.

 

Nadal hat mit Sicherheit die beste überrissene Vorhand und seine don’t give up Attitüde ist vorbildlich.

 

Aber der kompletteste Spieler aller Zeiten heisst Roger Federer und sein Bewegungstalent ist unerreicht.

 

Vor etwa vier Jahren habe ich zwei Langzeitwetten abgeschlossen. Je 200 Pfund auf:

 

-         Federer wird die French Open nie gewinnen.

-         Nadal wird Wimbledon nie gewinnen.

 

Obwohl Federer Nadal auf Sand und sogar in seinem Heimatland schon geschlagen hat, bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass Federer gegen einen gesunden Nadal in einem French Open Finale kaum eine Chance hat. Trotzdem habe ich diese Wette sehr gerne abgeschrieben.

 

Aber die Wimbledonfinal Niederlage von 2008 war sehr enttäuschend. Natürlich wuchs Nadal an diesem Tag über sich hinaus aber Federer war der unbestrittene Rasenkönig. Vielleicht wog die Rekordchance „six in a row“ zu schwer. Dieses verlorene Endspiel war der Beginn des langsamen Abschieds der Federer Dominanz.

 

Bis letzten Sommer waren die Quoten der Federer Paarungen bis zum Viertelfinale bedeutungslos. Aber seit ein paar Monaten… die hiesige Presse traut sich nicht, die Fans wollen es nicht wahrhaben und auch ich tue mich schwer aber die Wahrheit ist:

 

Federer hat seinen Zenit überschritten!

 

Ich weiss, das ist eine grobe Majestätsbeleidigung.

 

Wenn es nach mir ginge, würde ich mir wünschen, dass Federer nächstes Jahr den Golden Slam holt und dann noch zweimal den Grand Slam und danach als der grösste Sportler in der Geschichte abtritt. Aber das wird nicht geschehen!

 

Federer ist noch durchaus in der Lage mindestens einmal Wimbledon, die US- oder Australian Open zu gewinnen aber leider wird es für den Grandslam nicht mehr reichen.

 

Wir, die Zuschauer, sind von Federer unglaublich verwöhnt worden. Wir werden erst nach seinem Karriere Ende wirklich begreifen, was dieser Mann aus Basel geleistet hat.

 

Für uns Wetter bietet der-nicht-mehr-dominate-Federer neue Chancen, insbesondere für mich: Jetzt wette ich ab den Viertel- bzw. Halbfinals vermehrt gegen Federer. Wenn er gewinnt, tut mir die verlorene Bet nicht besonders weh und ich freue mich trotzdem und wenn er verliert… auch nicht schlecht…

 

An alle Federer Fans, die sich jetzt vielleicht etwas beleidigt fühlen… to say in Tony Sopranos words: sorry folks…

 

 

it's not personal, it's just business