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Von: Michel Fankhauser

Die Spannung am Jahresende war kaum zu überbieten. Drei Protagonisten lieferten sich einen erbitterten Kampf um die Pokerkrone im Swiss Ranking. Kein Buchautor hätte das Finale spannender schildern können, und kein Filmregisseur hätte es geschafft, eine dramatischere Verfilmung dieses hochklassigen Finales zu realisieren. All die Hollywoodstreifen, die ich bis jetzt gesehen habe, zeigten ein ähnliches „kitschiges“ Finale. Das Finale im Swiss Ranking war absolut filmreif, und, würde man es tatsächlich verfilmen, käme sich der kritische Zuschauer verarscht vor. Jeder würde denken, dass die Geschichte übertrieben ist.

Man stelle sich vor, dass 2 Turniere vor Schluss effektiv noch drei Spieler Chancen hatten, das Ranking zu gewinnen. Chris von Rohr – dieser Name verpflichtet nicht nur in der Musikszene  zum Erfolg – war einer davon. Seine Vorgabe war klar, wollte er Joe Zurzolo am 30. Dezember 2008 anlässlich des „Thun Open of Poker“ im Kings Poker noch von der Spitze verdrängen, musste er den 10. Platz erreichen, in einem Feld von 280 Spielern allemal ein schwieriges Unterfangen. Joe Zurzolo schied bekanntlich im Head 2 aus, während sich Chris für das Finale qualifizierte. Chris schaffte doch tatsächlich das Unglaubliche und wurde exakt 10.! Das sollte doch eigentlich reichen.  Jimmy Doganyilmaz persönlich warf Chris aus dem Turnier und kämpfte sich ins Heads Up. Der 2. Platz und eine Gutschrift von 577 Punkten reichten ihm, um Chris noch um 34 Punkte abzufangen. Einfach unglaublich!

 

 

Während Joe Zurzolo, der das Ranking so lange angeführt hatte, diesen Dämpfer nicht mehr verkraftete und aufgab, spielte Chris am Silvesterabend im Grand Casino Baden und kämpfte verbissen, um sich den Spitzenplatz zurückzuerobern, welchen er für knapp 3 Stunden inne hatte. Das zeichnete Chris durchs ganze Jahr hindurch aus. Er gab nie auf und kämpfte, und wie die anderen beiden hätte er es eigentlich auch verdient, das Swiss Ranking zu gewinnen. Es sollte jedoch einfach nicht sein und in Baden verlor er in aussichtsreicher Chipposition einen wichtigen Pot mit den Assen!  

 

 

Chris von Rohr hat im Jahre 2008 unglaublich viel geleistet. Nebst einem 80%-Pensum als Informatiker, einem doch anspruchsvollen Job, spielte er fast täglich „sein“ Turnier. Das verdient wirklich RESPEKT! In den Monaten November und Dezember konnte ich erahnen, was es braucht, um eine solche Doppelbelastung erfolgreich zu meistern. In diesen letzten beiden Monaten spielte ich ungefähr 20 Turniere, also durchschnittlich 2-3 Turniere pro Woche. Und ich muss sagen, das ging mir nebst meinem Job als Lehrer ganz schön an die Substanz.

 

 

Chris habe ich zum ersten Mal in Baden im Grand Casino (dieses Casino verdient sich diesen Namen!) wahrgenommen. Respektive Joe Zurzolo hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Anfang Jahr kam der heissblütige Italiener immer wieder zu mir und beklagte sich über – ja na klar – gerade diesen Chris von Rohr. Der Name war uns damals noch nicht bekannt, jedenfalls nicht durchs Pokern. Aber scheinbar entnervte Chris den damals doch klar bekannteren Joe Zurzolo mit seinen ständigen Moves. „I cha nüt mache, dä Siech dört tuet mi immer reraise“!  Chris von Rohr spielte tatsächlich unerschrocken und hatte keine Angst vor dem grossen Namen „Zurzolo“. Am Jahresende machte ich dann in Interlaken mit Chris persönlich Bekanntschaft. Wir sassen am gleichen Tisch, und da der Tisch einerseits sehr tight spielte und die Spieler wirklich schwach waren (Ausnahme Roland Bucher), ergab es sich automatisch, das wir beide die Situation ausnutzen wollten und uns immer wieder in die Quere kamen. Je zweimal zwangen wir uns gegenseitig zu einem Rebuy. Irgendwie nahmen wir das locker und es machte uns eigentlich Spass, einander anzugreifen.

 

 

Zu erwähnen sind bei Chris ganz sicher noch seine super Platzierungen in Österreich. In regelmässigen Abständen spielte Chris bei topbesetzten Turnieren am Final Table und erreichte einige Topresultate. Im Moment scheint es um von Rohr ein bisschen ruhiger geworden zu sein. Ich persönlich bin jedoch überzeugt, dass er „richtig“ zurückkommen wird und wieder Turniere gewinnt. Vielleicht ja schon am nächsten Donnerstag beim grossen Finale der besten 10 in der Poker Lounge. Fähig dazu ist er allemal! Lieber Chris, du hast grossartig gekämpft im letzten Jahr. Kämpfe dich wieder zurück! Dein Namensvetter und Gründer der Schweizer Hardrockband Krokus würde dir wohl nur eines empfehlen: „Meh Dräck Chris!“

 

Good luck, Michel Fankhauser