Booom! What a shot! Diese dynamische und doch geschmeidige Wurftechnik, diese getarnte Flugbahn… ein Curveball der Sonderklasse… der Batter schlägt völlig unkontrolliert ein riesiges Loch in die Luft und das Geschoss segelt unbeirrt in die gemütliche Hohlraumecke des vertrauten Handschuhs… Tim Lincecum, der Pitcher von den Frisco Giants, wäre vor Neid erblasst…
Komischerweise hielt sich meine Freude über den gelungenen Wurf in sehr engen Grenzen und die Stimmung kippte Richtung Frust um… ich hatte keinen Schlagmann überwunden und der Baseball war in Wirklichkeit kein Baseball sondern meine Funkmaus… da war auch kein ledernes Auffangnetz sondern die bis dahin unbefleckte, weisse Südwand meines Büros… jetzt klaffte dort ein grosses Loch und überall am Boden lagen Splitter…
Es ist der 6. März 2004 und ich brachte im Affekt meine „Maus“ um.
Der Verlust eines 12k plus Pots bei PLO 10/20 liess mich zu dieser Tat hinreissen. Mein Gegner verpasste mir einen 1080…
Beim Zuschauen eines Ten Eighty schlägt bei jedem Snowboard Fan das Herz höher… für einen Pokerspieler, der beim Showdown das „falsche Blatt“ hält, ist das der reine Albtraum! 1080:1 = odds of making runner-runner quads from the flop to the river
Dieser „Mord“ liess mich innehalten, meine Aktion verwirrte mich. Schliesslich war ich doch badbeat erprobt… zu jener Zeit spulte ich unzählige Sit’n goes ab und da wurden Favoritenhände gleich reihenweise vernichtet. Die Tatsache, dass ich seit Stunden bei PLO 2/4 schon Lawinen hinten lag und mit einem Kraftakt beim hohen Limit das Minus ausbügeln wollte, gestand ich mir erst Wochen später ein…
Ich konnte mit dieser Gräueltat nicht weiter alleine leben und entschied mich für eine Beichte: ich outete mich bei einem Berufskollegen als „Mörder“. Der guckte zuerst etwas verwundert, fing dann an zu lachen, klopfte auf meine Schulter und sagte schliesslich: „Willkommen im Club!“
Obwohl mir die biologischen und psychischen Mechanismen bei einem plötzlichen Frustbefall bestens vertraut sind, konnte ich mich nicht beherrschen und „tötete“ ein unschuldiges Zeigergerät. Die Dunkelziffer von gefährlich tickenden Pokerpros, die zu Hardwarekillern mutieren war anscheinend um einiges höher als ich angenommen hatte… aber das hat mich nicht wirklich getröstet.
Ein paar Monate später, inzwischen war die neueste Infrarot Maus im Einsatz, spielte ich eine heisse shorthanded 30/60 Limit Holdem Partie… Nach einer langen Phase der Geduld und Vernunft brannte ich wieder lichterloh… bei Limit 10/20 war ich bereits über 2k in den Miesen…
Das Schicksal der noch jungen Computermaus wurde mit folgender Hand besiegelt: Spieler A, Typ Isildur1 hoch 2, raist im Cutoff, die nächsten zwei Spieler folden, Ethanol Cem reraist am Button, die Blinds folden, Isi four bettet, capped… flop:
*Ad* *2s* *10h*
Raise Gewitter, capped… turn:
*6c*
Dasselbe in Grün, capped… river:
*7d*
Mit ein Paar Assen in der Lade kann ich es kaum erwarten den Pot einzustreichen… es wird nochmals gecapped und die Chips wandern zu… Isi !!! WHAT? Es gewinnt *9c* *8c* …
Ich hatte Glück im Unglück und doch Pech… anstatt der Balkontüre hatte ich „nur“ das Fenster nebenan getroffen… aber es war Winter, bitterkalt und die Scheibe wurde erst nach zwei Tagen ersetzt…
Seit der „Häuslichen Gewalt mit Todesfolge“ sind inzwischen über sechs Jahre vergangen. Ich habe Busse getan und glaube, dass ich die Wiedereingliederung in die digitale Gesellschaft geschafft habe.
Obwohl Wiederholungstäter eine hohe Rückfallquote aufweisen, bin ich zuversichtlich, dass ich den Pfad der „Mauszerstörung“ nicht mehr betreten werde.
Auch habe ich der kabellosen Maus abgeschworen… das „Mausheadquarter“ in Morges setzt auch ohne meine wiederkehrende Unterstützung genug um…
In Gedenken an Logi und Tech