Anzeige
 

Ganz Schweiz ist Poker? Nein da gibt es ein kleines Dorf, welches die Schweiz mit ihrer Fläche umrundet. Campione d'Italia bei Lugano, das grösste Casino Europas und nur zwei einhalb Stunden von Zürich oder Bregenz entfernt. Es ist Turnierweekend und 253 Poker Verrückte, mehrheitlich Italiener, sind am 300er Euroturnier angetreten. Ich bin mit Henry Nowakowski, dem deutschen Mainevent Finaltable Teilnehmer von 2001 unterwegs und mit Marko Ilic aus Dübendorf, hat es als zweiter deutsch sprechender Pokerspieler auch hierher verschlagen. Sonst habe ich keinen gesehen.

 

 

Das Turnier ist der absolute Hammer. Struktur, Organisation und sogar neu Pünktlichkeit; ein Traum. Die Turnierleitung absolut professionell und schnell. Alle Spieler absolut fair, aber man merkt hier den Ehrgeiz. In einem einzigen Saal im neunten Stock, mit herrlicher Sicht auf den Lago di Lugano und auf die Tessiner Berge, sind vierzig Tische aufgestellt. Betrieben wird dies von den Italian Rounders in Kooperation mit dem Casino. Inbegriffen im Rake von jeweils 10% ist ein Riesenbuffet. Pasta, Crudo, Vino, Dolce alles was für im südländischen Schlaraffentraum eines Pokerspielers nicht fehlen darf. A la discretion!

 

Mit Presse und Liveberichterstattung sind jeweils etwa fünf Pokerwebseiten vor Ort und sofort ist das Ganze wie Bild und Video im Netz. Nicht so wie wir das kennen mit fein säuberlichen Turnierblogs, sondern mit Forum ähnlichem Charakter. Hier werden Emotionen gezeigt und es darf das südländische Temperament ausgelebt werden.

 

Es lief gut im Turnier. Zwischenzeitlich war ich Chipleader und danach kam die Phase wo ich keine Karten mehr bekam. Doch langsam fing die Bubblephase an und die Karten schienen wieder aufzutauchen...., dachte ich. Ich hatte soeben einen blöden Pot mit zwei Paaren gegen höhere zwei Paare verloren, aber immer noch 180k an Chips. Dann traf ich mit meinem Viererpaar auf die Asse eines Gegners. Noch einmal 50k meines Stacks weg. Ich hatte 130k. Average etwa 70k. Spieler im Turnier 28. Der 27.te erhielt 650 Euro. Der erste 19'000 Euro. Der Zweite 11500 Euro.

 

Ein Spieler raiste vor mir. Ein etwas Mittelfünfziger, ein Assspieler, tight, nicht sehr wahnsinnig spielwitzig, aber eben er raiste bei Blinds von 4000/8000 und 1000 Antes auf 24'000. Im Pot waren jetzt an unserem 10er Tisch 46000 an Chips. Sein Stack war etwa bei 140k, also knapp mehr als ich. Ich fand ein Siebnerpäärchen in meiner Hand. Ich schätzte den älteren Herr auf A mit höherer Beikarte ein, weil er diesen dreifachen Standard Raise schon zwei dreimal praktizierte. Hohe Paare hätte er da etwas höher geraist.

 

Und eben waren wir in der Bubblephase. Also der nächste der ausscheiden würde ging leer aus. Wenn ich diese Hand gewinnen würde, wieviel wäre sie mir wert? 650 Euro, weil ich im Geld sein wollte oder ist sie mir mehr wert? Ich kann meine Chips verdoppeln, weil ich von einem Coinflip ausgehe und eben viele der Spieler im Geld sein wollen. Ich zeige Aggression und ich gehe auf „Tutti“ und reraise ihn Preflop Allin. Stelle ihm die Frage: „Willst Du nicht besser wegschmeissen so kurz vor der Bubble?“ Aber überlegt nicht lange. Verliebt in AK geht er den Coinflip mit mir ein. Die erste Karte auf dem Flop zeigt schon ein Ass. Keine weitere Hilfe mehr für mich. Aus. Bin nicht gerne der Blub.

 

27 Italiener jubeln um zwei Uhr in der früh und sie im Geld sind. Mir gefallen diese Emotionen und ich gratuliere meinem Kontrahenden zu seinem Gewinn. Ab ins Hotel. Noch etwas in den Berichterstattungen im Internet rumstöbern. Frust abstellen und Verarbeitung. Und siehe da: Passend zu meiner Stimmung „Bum Bum Bum, Check my style“ - Mann treffender könnte es nicht sein.

 

Cheers aus Campione.

 

Martin

 

 

 

Mehr Infos:

 

Blogs:

 

http://www.pokeritaliaweb.org

 

http://www.italiapokerforum.com/

 

 

Italianrounders: http://www.italianrounders.org/

 

 

Casino Campione: http://www.casinocampione.it/