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Von: Michel Fankhauser

5. Dezember 2007, Grand Casino Baden. Ich sitze am Finaltisch am Mittwochsturnier. Ebenfalls der Mann mit den Kopfhörern. Oder wer hat Dogan Güngör schon mal ohne seine Ohrmuscheln gesehen? Ich kann mir vorstellen, dass er, wenn er zu Bette geht, schon das eine oder andere Mal vergessen hat, die Kopfhörer abzunehmen.

Zurück  zum Final Table an diesem besagten Mittwochabend. Ich hatte eine Reihe von grausamen Bad Beats hinter mir, angefangen im Oktober in Interlaken von Rino Mathis (mehr davon am Mittwoch bei der Vorstellung der lebenden Pokerlegende). Dogan Güngör hat ähnlich viele Chips wie ich und wir gehören unter den letzten 10 zu den drei Chipleadern. Ich begutachte meine Karten und bin entzückt, am Button zwei Damen zu sehen. Dogan sitzt UTG und geht all-in!!! Typisch Dogan, werden jetzt viele Leser denken, die bereits Erfahrungen mit oder gegen ihn gemacht haben. Welche Karten berechtigen eigentlich zu so einem Move bei seinem Chipstand? Die Blinds sind zwar schon beträchtlich hoch, aber trotzdem, was soll dieser Move? Alle foldeten ihre Hände und ich war an der Reihe. Im Spiel waren noch 9 Spieler und ein verlorenes All-in gegen Dogan hätte für mich das Aus bedeutet. Ich wollte mich einfach nicht auf so einen verrückten Move einlassen und irgendwie spürte ich seinen angetäuschten Bluff. Ich folde meine Queens, schweren Herzens versteht sich. Dogan gewinnt die Blinds und zeigt allen seine beiden Asse!

 

 

Bald waren wir nur noch zu siebent am Tisch und diesmal zog ich die Könige, und zwar in einer mittleren Position. Ich mache einen vierfachen Raise auf 4000! Ich war übrigens zu diesem Zeitpunkt Co-Chipleader. Dogan callt, worauf der Spieler am Button einen Reraise ansetzt  auf 8'000. „Scheisse, der hat die Asse“! Das war mein erster Gedanken. Sowohl der Mover am Button wie auch ich haben in etwa 17K und klar die meisten Chips am Tisch. Der Small Blind geht ohne zu zögern mit 7000 all-in. Nun war also ich an der Reihe, und mein erster Gedanke war schon ein bisschen weiter weg. Vielleicht haben beide AK, da ich mir, oder der Small-Blind hat die Asse. Würde dann der „Button“ all in gehen mit Queens? Wohl kaum. „Verdammt noch mal, er hat die Asse! Entweder werfe ich jetzt weg oder gehe all-in!“ Und da war ja noch Dogan Güngör hinter mir. Noch sieben Spieler, entweder bin ich jetzt der Depp am Tisch oder gehe klar in Führung.  Ich kann diese Könige einfach nicht folden – Punkt! Ich gehe all-in, Dogan foldet und der Cie Chipleader, Misic Domagoj, callt ohne mit der Wimper zu zucken. Bevor er die Karten dreht wusste ich es mit Bestimmtheit. Er hatte tatsächlich die Asse und ich schied als Bubble Boy aus. Ich verliere wirklich selten die Fassung und musste bis dahin schon einiges einstecken, aber das war einfach zu viel. Misic gewann schliesslich dieses Turnier und dazu ein bisschen mehr als 7000 Franken. Dogan Güngör wurde guter vierter und dies war eigentlich auch die erste Bekanntschaft mit ihm. Dogan selber hat mich kaum wahrgenommen, bis ich an einem Badener Turnier direkt neben ihm sass und ihm ein paar Mal seine Chips abnehmen konnte, ohne meine Karten zu zeigen. Seither grüssen wir uns und plaudern ab und zu ein paar Worte. Ich weiss von ihm, dass er eine Bar hat in Urdorf und irgendeinmal werde ich bei ihm ein Bierchen trinken gehen.

 

Zum Schluss kann ich noch über eine Anekdote berichten.  Wir sassen ebenfalls am gleichen Tisch, aber ungefähr ein halbes Jahr früher, also im Sommer 2007, und zwar in Bregenz am Monatsturnier. 300-Euro Rebuy-Turnier – eine wirklich happige Sache. Ich hatte bereits in einer der ersten Hände riesiges Glück gegen Gery Eisele, der mit A5 vor der Riverkarte vorne war, weil er bereits zweimal getroffen hatte. Mein Superkicker, der König, nutzte mir zu diesem Zeitpunkt wenig. Doch die zweite 10 auf dem Board liess meinen König vergolden, und nicht ich, sondern Gery musste früh ein Rebuy tätigen. An diesem Turnier zog ich übrigens in den ersten beiden Levels viermal die Asse, brachte diese alle nach Hause, sodass ich unter den letzten 20 einen schönen Durchschnittsstack hatte. Weit unter Schnitt war damals Dogan Güngör. Wir sassen ungefähr zwei Stunden am gleichen Tisch und er wetterte und fluchte praktisch bei jeder Hand. Er musste sich ständig ganz miese Starthände anschauen. Doch dann klappte es endlich! Dogan erhielt zwei Asse! Davon erfuhren wir alle, weil er die Karten offen zeigte. Zu seinem Pech jedoch hatte es der eigentlich starke Dealer einfach nicht geschafft, die Karten korrekt zu verteilen. MISS-DEAL! Welch ein Pech für Dogan, der Stunden auf eine Hand gewartet hatte, dann die Asse zog, um sie wieder ohne Gewinn und ohne Bet zurückzuschieben. Kurz darauf schied Dogan Güngör entnervt aus.

 

Ist zu hoffen, dass keinem Dealer ein solches Missgeschick passiert, wenn Dogan am nächsten Donnerstag in der Poker Lounge den Final Table gewinnen will. Schenkt man der Abstimmung bei pokeraction.info glauben, ist ein solcher Coup nicht möglich. Auch die sogenannten Experten tippen eher nicht auf Dogan. Fast niemand glaubt an einen Sieg von ihm. Seine Turnierbilanz jedoch widerspricht den Prognosen, so hat Dogan zum Beispiel bis jetzt mehr Swiss Ranking – Preisgeld eingespielt als Jimmy II, nämlich über 110'000 Schweizer Franken. Und er weißt immerhin 5 Siege auf. Also, alles muss zuerst gespielt sein. Und wie treffend sagte es zum Beispiel Christian Kunz: „Sind wir nicht alle Favoriten?“

 

Bis morgen mit dem Blogg Nino Murati, Michel Fankhauser