Immer wieder tauchen in der Pokerszene neue Namen auf, die die Welt der Karten im Sturm erobern. Sie triumphieren bei den Majors, gewinnen auf den Noseblood Cashgametischen Unsummen und plötzlich ist auf den Covern der gängigen Pokermagazinen ihr Konterfei abgebildet.
Wenn dann etablierte Grössen wie Godfather Doyle Brunson oder Mike Sexton gefragt werden, was sie von jenem Kometen halten, dann antworten sie oft wie folgt: „Ask me in 10 years again“, „Time will tell“ oder „ he/she has to stand the test of time“.
Vielleicht sind diese Kommentare etwas obsolet aber die Kernaussage ist zutreffend. Ein grosszügiger Zeitrahmen soll zeigen, ob die Pokerkarriere trotz aller „Varianzen“ erfolgreich verlaufen ist.
Der Werdegang von einigen Spitzenspielern von heute weist häufig Parallelen auf. Spieler, die sich bei Strategiespielen wie „World of Warcraft“ oder „Magic – the Gathering“ effektiv durchsetzten, fanden irgendwann den Weg zu Poker.
Andere benutzten die Traditionsspiele Schach und Backgammon als Sprungbrett für die Pokerkarriere.
Im Oktober 1996 hat ein 32-jähriger Ungar die Seven Card Stud Europameisterschaft gewonnen. Mit diesem Sieg wurde erstmals die internationale Pokerszene auf ihn aufmerksam.
Aber einen Namen hatte er sich schon viel früher gemacht… seit 1990 durfte er sich in der Königsdisziplin der Denksportarten als Grossmeister bezeichnen.
Er ist einer der Wenigen, der den „Zeittest“ mit Bravour bestanden hat… Tibor Tolnai.
Für einige mag der Name nicht geläufig sein aber in der europäischen Livepoker Szene ist dieser exzellente Pokerspieler aus Ungarn seit über 15 Jahren eine feste Grösse.
Was ist das Geheimnis seines Erfolgs?
Spielverständnis
Als versierter Schachspieler war er prädestiniert das Pokerspiel strategisch zu begreifen, die Kenntnisse zu vertiefen und am Spieltisch umzusetzen. Obwohl er als ausgezeichneter PLO Spieler bekannt ist, ist er im Limitspiel noch eine Nuance stärker einzustufen. Bei Stud und Omaha Hi-Lo/8 gehört er zu Europas Besten.
Die Österreicher Klinger, Casagrande und Donev sind weitere Beispiele dafür, dass sich dekorierte Schachspieler in der Pokerwelt nachhaltig durchsetzen: die drei haben bisher insgesamt knapp vier Millionen Dollar an Turnierpreisgeldern gewonnen.
Bankrollmanagement
Bei NLH und PLO bewegt sich seine Comfortzone zwischen 10-10 und 10-20, selten 20-40… Tibor ist kein Fan von „Shots“… Starting Stack: 100 – 200 Big Blinds.
Tibor und ich spielen seit Jahren die ähnlichen Limits. Auch er spielt auf der Casinos Austria Poker Tour und ist ein Stammgast des CCC Wien. Ich habe schon Hunderte von Stunden mit ihm am Pokertisch verbracht. In all den Jahren habe ich noch nie erlebt, dass er bei einer Session nur annähernd einen grossen Absturz hatte. Die stopp-loss Strategie spielt er in Perfektion.
Tiltfaktor
Was… Tilt? Faktor?... Inexistent!
Tischpräsenz
Tibor wird praktisch von allen Spielern geschätzt und respektiert. Kein Wunder… seine Tischmanieren sind ohne Fehl und Tadel. Sein Auftreten ist bescheiden, freundlich und konziliant. Die meisten sind sich seiner Spielstärke bewusst; trotzdem ist er ein gerngesehener Spieler am Tisch.
Tableselection
Ein absoluter Meister seines Fach… ein lebendiger Pokertracker! Manchmal sitzt er an einer PLO 10-20 Partie und schreibt sich plötzlich in die 5-5 Liste ein… seine Sensoren haben mit Sicherheit einen Fisch entdeckt! Sobald er das Gefühl hat, der Tisch ist nicht mehr profitabel, steht er konsequent auf.
Während den Turnierwochen setzt bei mir manchmal der Schlendrian ein und ich vernachlässige das Abchecken der Cashgametische. Stattdessen halte ich Ausschau nach Tibor … sofern er an einem Spieltisch sitzt, ist das garantiert der rentabelste Tisch im Saal…
Falls jemand einem der grössten Live-Midstake Gewinner im deutschsprachigen Raum über die Schultern schauen möchte, der halte z.B. bei einer CAPT Veranstaltung nach einem grossgewachsenen Brillenträger mit Haarschnitt aus den späten 80-ern Ausschau… oder sucht denjenigen, der optisch mit seiner Pullover- und Hemdauswahl, sagen wir… auffällt!