Ich bin mir ziemlich sicher, dass Jimmy II sich nicht mehr an diesen Abend und dieses kleine Intermezzo erinnern wird. Ist auch nicht nötig. Ich vergesse es jedoch nie, denn es war gleichzeitig meine erste Begegnung mit dem Swiss Ranking – Sieger des abgelaufenen Jahres. Kurze Zeit nach unserer ersten Begegnung erreichte Jimmy am Jahresendturnier 2006 in Baden den hervorragenden zweiten Platz. An diesem grossen Event eliminierte er Rino Mathis, der mit seinen Pocket Kings das Set traf! Jimmy zog im River die vierte 10! Anschliessend musste er sich nur vom oesterreichischen Profi Harry Casagrande geschlagen geben.
Jimmy 2 im HU beim Baden Open
Darauf hin traf ich den sympathischen Türken regelmässig an den einst so gut besuchten Mittwochsturnieren im Grand Casino in Baden. Er kam im Jahre 2007 an diesen Turnieren regelmässig ins Geld, wie ich auch. Am Jahresende klassierte er sich im Schlussranking knapp vor mir und schlug mich um ca. 300 Punkte. Anfang Januar 2008 begann dann eine für mich grausame Serie. Jimmy II verpasste mir einen Bad Beat um den anderen. Innerhalb von 4 Wochen baute er sich 4 Mal auf dem River eine Strasse, dreimal mit BAUCHSCHUSS – versteht sich – zweimal sogar am gleichen Abend. Der Höhepunkt folgte dann schliesslich kurz darauf in Bregenz:
Im 1'000 Euro-Turnier vom Donnerstag sass ich bereits am Tisch. Platz 4 wurde mir zugeteilt. Platz 9 war noch leer, sonst waren alle Stühle belegt und das Turnier begann. Dann setzte sich – wer denn sonst – Jimmy II aus Rümlang an meinen Tisch. Ausgerechnet er, dachte ich. Ausgerechnet der, der mir in den letzten Wochen richtig wehtat. Ich ahnte, was kommen wird. Ich spielte viele (wohl zu viele) Hände in der Startphase und verspielte viele meiner wertvollen Chips mit schlechten Calls. Mein Stack war auf die Hälfte geschrumpft, als Jimmy einen Raise tätigte. Das Turnier lief eine gute Stunde und ich wollte so rasch wie möglich meine verlorenen Chips zurück gewinnen. Ich hielt JQs und callte, da ich mir von meiner Position einiges versprach und die Hand doch recht ausbaufähig ist. Der Flop brachte meinen Buben sowie ein 7 und eine 6 Rainbow. Jimmy checkte. Ich hatte noch 3500 Chips. Mir war bewusst, dass ich mit einem All-in den Pot gewinnen würde. Ich wollte jedoch verdoppeln und spielte nur 1000 an. Jimmy fing an zu reden und gestikulierte und verriet quasi seine Hand. Ich wusste nun definitiv, dass er hinten war. Er hatte sich zuvor extrem viele Chips erspielt mit unglaublichen Karten und vielen, vielen Treffern. „Jo chum, ich schänk dir mini Chips“! Er greift in seine Chips und reraist mich all-in. „Ich weiss ich bi hine, aber ich schänk dir mini Chips. Ich han jo gnue“! Eigentlich eine unglaubliche Aussage an einem Turnier mit einem Buy – in von 1000 Euro. Wie auch immer, ich zahlte natürlich. Jimmy zeigte ein 8er Paar. Auf dem Turn kommt eine 9!!! Jimmy hat oben und unten offen…..mir wird es fast schlecht. Auf dem River fällt jedoch weder die 5 noch die 10 zu seiner Strasse! Nein, denn der Dealer dreht eine 8 um und Jimmy wirft mich aus dem Turnier mit einem Set. Sein süffisantes Lachen gab mir den Rest. Ich stand auf und verliess wortlos den Tisch. Als ich mich dann einigermassen beruhigt hatte ging ich dann nochmals zurück an den Tisch und gab dem klaren Chipleader die Hand, so wie ich das eigentlich immer tue, wenn ich ausscheide.
Der Abend nahm seinen Lauf und ich blieb im Casino, weil ich Joe Zurzolo unterstützen wollte. Etwa eine Stunde danach kommt Jimmy zu mir und weint mir die Ohren voll. Er hatte seinen Chiplead in kurzer Zeit verspielt und beklagte sich bei mir über einen grausamen Bad Beat. Warum gerade bei mir? Bei allen anderen wäre sein Klagen angebracht gewesen, denn er verlor einen Monsterpott mit AA gegen AK. Sein Gegner traf im Turn und im River je einen König! Aber wieso um Gottes Willen erzählte er das ausgerechnet mir. Wie auch immer. Diese Serie von Bad Beats stimmte mich sehr nachdenklich und ich legte eine lange Pause ein. Ich spielte drei Monate kein einziges Turnier.
Wenn man meine Zeilen liest könnte man meinen, dass ich auf Jimmy Doganyilmaz nicht so gut zu sprechen bin. Das stimmt jedoch nicht und ich darf erwähnen, dass wir bei jeder Gelegenheit miteinander über Gott und die Welt plaudern. Ich weiss auch einige Dinge von Jimmys Privtleben, vor allem was das Berufliche angeht. Ich schätze Jimmy als offenen und sympathischen Menschen. Und wenn ich ihn Mr. Bauchschuss nenne, dann hat das einerseits mit meinen eigenen Erlebnissen zu tun, andererseits wird ihm in der Pokerszene oft nachgesagt, dass er eigentlich nicht so ein Topspieler sei und immer wieder viel Glück habe. Auch ich vertrat diese Meinung und für mich gehörte er lange nicht zu den Besten. Bis zum Jahresende! Da hat er es allen, und vor allem auch mir persönlich gezeigt. Er hat mit einem unglaublichen Schlussspurt seine ehemalige Spitzenposition im Swiss Ranking zurückerobert und überholte auf der Zielgeraden seine Antipoden, Chris von Rohr und Joe Zurzolo. Ganz zum Ende war er ein verdienter und würdiger Sieger. Die Leistung über das ganze Jahr und vor allem der fulminante Schlussspurt an zwei grossen Turnieren verdienen grossen Respekt. Trotzdem, lieber Jimmy, bleibst du für mich für immer Mr. Bauchschuss. Mein Tipp für den Final Table vom nächsten Donnerstag: Du wirst in der Poker Lounge weit kommen und am Schluss einen Platz unter den ersten 3 belegen.
Bis bald, Michel Fankhauser