Ja so kann es einem gehen, wenn man sich mit Besim Hot anlegt! Eine Woche Vorfreude, eine gute Autostunde fahren und dann 45 Sekunden Pokervergnügen. Nicht viel besser sollte es dann dem Rest der Familie ergehen. Besim Hot, der obercoole Pokerspieler aus dem Balkan, warf am zweitletzten Tisch mich persönlich und kurz vor dem Final Table meine Freundin Nicole aus dem Turnier. Das war natürlich nicht genug und Besim katapultierte meinen älteren Bruder Thomas zum Bubble Boy! Was für ein Abend! Nichts desto trotz hatten wir schlussendlich alle unseren Spass, und es ist schliesslich keine Schande, gegen Hot aus einem Turnier zu scheiden. Es erübrigt sich also, den ironisch gewählten Titel zu verharmlosen.
Mit Besim machte ich vor 2 ½ Jahren zum ersten Mal Bekanntschaft. Ich hatte mich für die Swiss Open angemeldet und spielte die Vorrunde am Samstag. Ähnlich wie früher beim Fussball bereitete ich mich gewissenhaft und sehr seriös auf diesen Anlass vor. Es war mein erstes grosses Turnier, und ich machte mich am Freitagabend auf den Weg nach Bern. Heat 1 hatte bereits begonnen und ich wollte ein bisschen Luft schnuppern. Bald einmal ist mir ein Spieler ins Auge gestochen. Die Art und Weise, wie er am Tisch sass und seine Karten spielte beeindruckte mich vom allerersten Moment an. „Das ist ein Profi“, dachte ich mir. Mit einer stoischen Ruhe kündigte er jeweils seine Raises an, und verdammt abgebrüht zog er sich Pot um Pot rein. Wer ihn kennt, und das tun mittlerweile wohl alle regelmässigen Leser von pokeraction.info, der weiss genau, wovon ich spreche.
Am Samstag spielte ich dann meinen ersten Tag, und es sollte für mich der absolute Glückstag werden. Ich hatte eigentlich nur ein Ziel, ich wollte den Finaltag erreichen und bei meinen Pokerkollegen angeben. „Swiss Open Poker Championship“! Was für ein Turniername!? Ich zog effektiv unglaubliche Karten. Ich lüge nicht wenn ich sage, dass ich mindestens 4 Full Houses traf, und weitere 2 verpasste, weil ich so beschäftigt war mit dem Wegräumen und dem Aufstapeln meiner Chips und mit der damit verbundenen Nervosität des Anfängers. Ich traf Strassen und Flushes und Sets, einfach unglaublich. Ich zog die Karten meines Lebens und als ich schliesslich mit meinem Set Königen auf dem Turn gegen eine Strasse plötzlich hinten war, dreht die charmante Dealerin prompt meinen vierten König um! (Joe erinnerst du dich an meinen Uurschrei?)
Nun aber zurück zu Hot. Am Finaltag sassen wir Seite an Seite, er zu meiner Rechten. Ich erreichte den Final als Co-Chipleader! Nach etwa zwei Stunden hatte ich immer noch anständig Chips, hatte jedoch meinen Lead abgeben müssen. Johnny raiste in früher Position. Ich war überzeugt, dass er blufft und wollte es dem Profi zeigen. Ich antwortete mit einem Reraise, weil ich mich auch in meinen Black Jack verliebt hatte. Johnny ging sofort all-in, stand auf, zog sich seine Jacke über die Schultern und wartete auf meine Reaktion. Seine Mimik um die Mundwinkel war unverkennbar. Es war ihm eigentlich scheissegal, was ich hatte, er kam nicht mehr aus der Hand raus. Zudem zeigte er AQs. Seine Hand überlebte, er setzte sich wieder, cool wie immer mit irgendeinem Spruch: „Ich war sowieso besser als du“! Besim Hot verdoppelte, schwächte mich selber enorm, sodass ich kurze Zeit später als 24 ausschied, natürlich gegen ihn! Hot selber kämpfte sich ganz zurück und wurde guter vierter.
Besim gilt heute nicht nur als einer der allerbesten Turnierspieler, sondern auch als einer der verrücktesten. TOP oder FLOP, ist seine Devise, und diese hat ihm bis jetzt sehr, sehr viel Geld eingebracht. Er verkörpert Poker mit seiner ganzen Art, mit seinem Outfit und mit seiner kaltschnäuzigen Spielweise. Einmal spielt er ganz ruhig, legt seine Chips wie ein Klosterschüler in die Mitte, ein andermal wiederum knallt er seine Chips in die Mitte, bevor einige am Tisch den River erkennen können. Man weiss nie so genau, woran man bei ihm ist. Er kann mit den Nuts nach dem Flop All-in gehen, aber auch mit einer „Banane“ bis zum River warten und dann irgendeine verrückte Bet platzieren, die all seine Gegner verwirren. Zweifellos ist Besim Hot eine der grössten Persönlichkeiten in der Schweizer Pokerszene. Er ist eine Bereicherung und wir werden von ihm noch viel hören, lesen – und vielleicht sogar sehen. Für den nächsten Donnerstag gilt er bei den meisten als der Topfavorit. Auch für mich ist es klar, der Sieg beim Final Table führt über „Johnny“ Besim Hot. Mein persönlicher Tipp: Besim wird entweder 11er, 10er oder er macht im Heads-up seinem Konkurrenten die Hölle heiss! Meine ganze Familie würde sich selbstverständlich freuen, wenn ich dieser Konkurrent wäre und ich mich an ihm rächen könnte ;-) ! Johnny, du bist ein Teufelskerl und ich hoffe, dass du dich nicht zu sehr damit befassen wirst, wer denn zum Henker „Trudi Gerster“ ist und dass du der Schweizer Pokerszene noch lange erhalten bleibst! Früher oder später wirst du wohl nur noch im Ausland spielen. Liebe Grüsse, Michel Fankhauser