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Nach einer Verzögerung von knapp sechs Monaten sind wir nun endlich in unser neues Heim eingezogen. Leider verlief diese Latenzperiode nicht ohne die typischen Bauprobleme, die imaginär im Pflichtenheft des Bauens verankert sind. Dummerweise haben wir die volle Breitseite erwischt und ein juristisches Nachspiel ist vorprogrammiert aber jetzt sind wir letztendlich zuhause angekommen und geniessen unser neues Haus.

 

Unsere Baustory war einer der Hauptgründe meiner Kolumnenabstinenz.

 

Back to Poker…

 

Seit einigen Jahren gilt der Sommer als die Highlight Jahreszeit der Pokerturniere: Die WSOP in Las Vegas ist nach wie vor die prestigeträchtigste Turnierserie weltweit.

 

Auch dieses Jahres hat die World Series of Poker an Faszination nichts eingebüsst aber sie wird von den Nachwehen des Black Friday überschattet und das Grounding der Onlineseite Full Tilt Poker ist der negative Höhepunkt dieses traurigen Pokerkapitels.

 

FT war einer meiner bevorzugten Seiten und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl „das etwas nicht stimmte“. Auch in der jetzigen Zeit waren meine Games (PLO 1-2 bis 3-6) nicht unbedingt juicy aber nach wie vor schlagbar, die Software war mir sehr angenehm, der Support hatte nicht die Qualität von PokerStars, doch locker im grünen Bereich und der Cashout verlief stets reibungslos.

 

Ich bin sichtlich überrascht und kann es immer noch nicht glauben, wie fahrlässig FT bei gewissen amerikanischen Einzahlungsmodalitäten in der Vergangenheit vorgegangen ist.

 

PokerStars und Full Tilt hatten bei mir den Online Triple AAA Status. Ich hatte vollstes Vertrauen und sie verkörperten für mich eine „too big to fall“ Konstellation.

 

I was wrong…

 

"Nichts in dieser Welt ist sicher außer dem Tod und den Steuern." - Benjamin Franklin, Briefe an Leroy, 1789

 

 

Hoch lebe das Livepoker…

 

 

Vor etwa zwei Monaten habe ich am Beat’em all Turnier im Casino Bregenz teilgenommen. Beat’em all ist eine tolle Turnierserie der Casinos Austria, die insbesondere bei Anfängern und Lowlimit Turnierspielern grossen Anklang findet. Die moderate Struktur erlaubt es auf weite Strecken echtes Turnierpoker zu spielen und das tiefe Buy-in von € 100.- lockt Hunderte von Spielern an.

 

Das Spielniveau des Teilnehmerfeldes hat einen Schlaraffenlandartigen Ansatz und zieht natürlich auch den einen oder anderen Midstake Pro an.

 

Obwohl ich an den Turniertischen noch nie so viele neue Gesichter gesehen habe, entdeckte ich doch einige „ganz zufällig“ verirrte Sharks.

 

An diesem Abend habe ich drei Spielsituationen/Reaktionen zwischen Pro und Amateur erlebt, die mich auf der einen Seite schwer beeindruckt/enttäuscht und auf der anderen Seite mir aufgezeigt haben, dass ich in all den Jahren als Pokerspieler, während dem beschwerlichen Vorgang der Mutation… vorher naiv jetzt scharfsinnig (still in process), von Gefühlsausbrüchen zu Contenance (kurz vor Abschluss) und vom badbeat initiierten Moneyburner zum tiltresistenten Pro (done… i guess), etwas an Nonchalance eingebüsst habe.

 

 

Szene 1

 

 

Eine Lady, Typ – gerne in einer Parfumlache (bevorzugt Opium oder Poison) badend, die versucht mit üppigem Edelmetall und tiefem Dekollteé von ihren bescheidenen Pokerkünsten abzulenken, spielt unerbittlich jede Hand. Als klassische Calling Station lässt sie keine Gelegenheit aus, mit z.B. Ace High einen Riverbet zu callen, wo das Board vier Herzen und etliche mögliche Strassen aufzeigt.

 

Trotzdem schafft sie es innert Kürze zur Tischchipleaderin aufzusteigen. Mister X, ein deutscher Pro und ich, sind über diese Entwicklung nicht unglücklich und schielen immer wieder zu ihr hinüber und bewundern sehnsüchtig ihre riesigen... Chipstürme…

 

Dann geschieht das vermeintlich Unvermeintliche. Dolly Parton limpt in mittlerer Position und bekommt ein Raise von Mister X im Big Blind. Dolly callt und ich sehe schon wie „meine“ Chipsfelle davonschwimmen. Der Flop zeigt *9c* *4d* *2h*. „Wenn er ein Overpair hält, schaltet er jetzt die Melkmaschine ein.“ denke ich mir. Er setzt ca. den halben Pot und Madame foldet im Nanosekundenbereich. Enttäuscht zeigt der Pro seine zwei schwarzen Asse.

 

Daraufhin deckt Miss Wonderbra XXL ihre gefoldeten Karten auf und zeigt… zwei rote Könige!!! What the hell…??? Als man sie darauf anspricht, wie sie um Himmelswillen die Könige auf diesem Flop folden kann, antwortet sie völlig abgeklärt: „Ich kenne ihn, der spielt nur die Asse!“  

 

 

Fortsetzung folgt…