3-day Deepstack in Wohlen (27. - 29.6.08)
Gestartet wurde mit 50'000 Chips, Blinds bei 50/100 und 40 Minuten Levels, wir sprechen hier also von einem richtig deepen Turnier mit super langsamer Struktur. Meine Strategie war klar: Ich wollte in den ersten Levels möglichst viele Hände spielen und damit hoffentlich meinen Chip Stack Stück um Stück aufbauen. Aber wie so häufig sah die Realität wiedermal ein bisschen anders aus wie der Plan...
Es zeigte sich relativ schnell, dass das Spielniveau (zumindest an unserem Tisch) schwächer war als zuerst angenommen. Die Konsequenz daraus war, dass man nur selten eine Hand ohne Show-down gewinnen konnte und es fast nur noch darauf hinaus lief Karten zu catchen. Genau das war bei mir ein bisschen das Problem, ich war ziemlich card dead und dementsprechend schrumpfte mein Stack Stück für Stück.
Schliesslich wurde unser Tisch aufgelöst und ich hatte noch rund 40'000 Chips bei Blinds 300/600. Am neuen Tisch sassen einige bekannte Gesichter, u.a. einer meiner Kollegen mit welchem ich zum Turnier gefahren war.
Am neuen Tisch war schnell ersichtlich, dass v.a. die zwei Spieler unmittelbar zu meiner linken relativ tight eingestellt waren. So war ich dann auch ein bisschen erstaunt, dass ausgerechnet einer dieser beiden Spieler meinen Raise aus dem Cut-off im ungeöffneten Pot mit *qc* *9c* auf dem Button bezahlte. Mein Open war natürlich recht loose und eher als Steal Versuch gedacht.
Der Flop sah dann jedoch sehr vielversprechend aus: *kc* *qs* *9s* Zwar sehr drawy, aber two pairs sind doch schon mal ein guter Start ;). Ich setzte 3'000 in den Pot von ca. 4'500 und wurde insta geminraist auf 6'000. Ich callte und hoffte auf eine einigermassen gute Turn Karte: *2s* Allzu gut war sie nicht, da sie den Flush komplettierte wenn sein Raise ein semi-bluff war. Ich checkte und er setzte 5'000, was relativ wenig war im Verhältnis zum Pot. Ich callte nach langem Überlegen in der Hoffnung auf einen gratis Show-down und war mir ziemlich sicher, dass er eine Hand wie *kx* *jx* nicht nochmals betten kann sondern den River check behind spielen würde. Der River brachte schliesslich *2h* welche so gut wie nichts änderte. Ich checkte doch meine Hoffnung auf einen gratis Show-down zerschlug sich in Windeseile: "12'000" war aus dem Mund meines Gegners zu hören. Nach langem hin und her foldete ich schliesslich meine Hand offen und fragte ihn ob es ein guter Lay-down war. Er sagte ja, zeigte jedoch seine Hand nicht. Wir kamen darauf ein bisschen ins Gespräch und er meinte, er hätte *jd* *10d* gehabt und die Nuts gefloppt. Ob das stimmt? Ich hab's ihm geglaubt und denke, dass ein teurer aber guter Lay-down war.
Nach einem misglückten Bluff Versuch stand ich schliesslich bei noch 15'000 Chips und Blinds 500/1'000. Dies war zugleich der letzte Level des Tages, am nächsten Tag würde das Spiel bei Blinds 600/1'200 fortgesetzt. Angesichts der längeren Anfahrt nach Wohlen sowie natürlich meines schlechten Stacks entschloss ich mich alles auf eine Karte zu setzen: Double-up or busto!
Den Spot dafür fand ich schliesslich ca. 10 Minuten vor Spielschluss als ein Spieler aus früher/mittlerer Position auf 3'000 raist und der loose-passive Spieler zu meiner rechten callt. Ich pushe schliesslich mit *10h* *8h* für 15'000. Ich fand den Spot insofern gut als dass mir beide noch genug Fold Equity gaben und der ursprüngliche Raiser zudem noch einen Caller im Nacken hatte, um den er sich auch Gedanken machen musste. Ohne einen Show-down die 7'500 Chips zu gewinnen wäre natürlich auch kein schlechtes Resultat gewesen, doch so weit kam es nicht: Der ursprüngliche Raiser callte worauf der Caller im "Sandwich" etwas widerwillig foldete. Showdown! *ah* *qd* gegen meine *10h* *8h*. Der Flop sah vielsprechend aus: *7h* *7c* *5h*. Auf dem Turn gab's noch ein paar zusätzliche Outs für einen Gut-shot, doch die *qs* besiegelte schliesslich mein Schicksal.
Alles in allem natürlich ein enttäuschendes Abschneiden bei einem Turnier, auf welches ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Meine Entscheidung in diesem Spot zu pushen habe ich zwar hinterfragt aber schlussendlich nicht bereut.
PokerCracks SummerOpen III, Kloten (6.7.08)
Bei der 3. Austragung dieses Turniers im Floor Club in Kloten/ZH waren wiederum 50 Spieler anwesend. Angesichts der Tatsache, dass an diesem Tag einige andere Turniere in naher Entfernung stattfanden, eigentlich eine schöne Teilnehmerzahl. Der Buy-in betrug wiederum 100+20$, die Tische wurden von Beginn weg gedealt.
Jeder Spieler startete wie gewohnt mit 15'000 Chips und Blinds 50/100 bei 30 minütigen Levels. Meine erste erwähnenswerte Hand spielte sich jedoch erst im 2. Blind Level ab als ich mit *kc* *qh* in mittlerer Position in den Pot limpte. Der Flop gefiel mir zugegebenermassen sehr gut: *kd* *qs* *3h*. Ich spielte gleich 2/3 Pot an und wurde von einer weaken Spielerin auf dem Button geminraist. Natürlich war in diesem Moment meine einzige Überlegung wie ich möglichst viele Chips in den Pot kriegen würde. Ich callte nur und check/raiste den Turn, worauf sie callte. Meine relativ kleine River Bet callte sie dann und ich gewann diesen 20'000 Pot und konnte meinen Chip Stack gleich auf 25'000 aufbauen bei immernoch ca. 15'000 Average. Für ein Mal schien mir der Start ins Turnier also geglückt zu sein.
Unser Tisch wurde etwas später aufgelöst und ich kam mit meinen 25'000 an einen neuen Tisch an welchem kurz zuvor ein Kollege eliminiert wurde. Dieser konnte mir jedoch einige nützliche Infos zu den Spielertypen an diesem Tisch geben, welche sich bald ausbezahlen sollten.
Nachdem 3 Spieler bei Blinds 300/600 gelimpt hatten raiste ich vom Button auf 2'600 mit *kh* *ks* und wurde vom sehr loosen UTG Limper gecallt. Heads-up sahen wir den *7d* *5d* *2c* Flop, welchen er checkte und ich mit 3'800 anspielte. Er callte nach kurzem Überlegen und spielte dann den Turn (*10d*) sofort mit 7'500 an. Natürlich machte ich mir kurz Gedanken darüber, aber er nun wirklich seinen Flush komplettiert hatte, entschloss mich jedoch nur zu callen da der Gegner doch recht bluff-happy war. Als sich auf dem River mit der *5c* das Board pairte spielte er wieder relativ schnell 15'000 an, welche ich callte. Er muckte schliesslich sofort im Show-down und ich gewann diesen riesen Pot! Mein Chip Count war nun bei etwas über 50'000 angekommen, Average war zu diesem Zeitpunkt ca. 18'000.
Kurze Zeit später spielte ich eine interessante Hand gegen den 2nd Chip Leader am Tisch (≈28'000) als wir beide in den Pot limpten und ich Position auf ihn hatte. Der Flop war für mein *jh* *10h* sehr erfreulich: *qh* *9h* *2c*. Der Pot betrug bereits ca. 3'800 und er spielte 2'000 an welche ich erwartungsgemäss als Einziger callte. Gegen einen anderen Gegner mit weniger Stack wäre dies ein schöner Semi-Bluff Spot gewesen, aber gegen den 2nd Chip Leader entschied ich mich aufgrund der Stack Sizes die Hand eher konservativ zu spielen. Der Turn brachte eine blank, er spielte wieder 2'000 an und ich callte wieder. Der River brachte den *kc*, welcher zwar einen Backdoor Flush komplettierte, mir aber die Straight brachte. Er setzte erneut 2'000 in den Pot von mittlerweile rund 12'000 und ich raiste auf 8'000. Er callte schliesslich nach einigem Zögern und muckte im Show-down als ich ihm meine Straight zeigte. Er meinte er hätte mit *qx* *9x* two Pairs gehabt. Ich konnte einen weiteren schönen Pot einsammeln brachte mich mit meinen 60'000 bei average von 20'000 in eine gute Ausgangslage für einen deepen Finish bei diesem Turnier. Aber natürlich war mir bewusst, dass bis dahin noch viel Poker gespielt wurde...
In den folgenden Stunden hielt ich mich einigermassen zurück und spielte ziemlich tight, streute jedoch den einen oder anderen Move ein. Die Blinds stiegen jedoch immer je mehr an und ein pre-flop Raise mit einer Continuation Bet kostete mich auch bald mal ca. 15% meines Stacks. Spielraum gab's also schon noch, allerdings angesichts der shorten Stacks der meisten Gegner nicht allzu viel. So fiel mein Stack in der Folge auf ca. 50'000 runter.
Ein loose-passiver Spieler raiste dann etwas später UTG und ich fand unmittelbar zu seiner linken *ah* *qh*. Was nach einem instacall oder sogar einer 3-bet tönen mag war in Realität eine recht verzwickte Situation, der Spieler hatte bis dato nämlich noch nie geraist und auch mit *ax* *kx* und *ax* *ax* pre-flop nur gelimpt! Ich callte schliesslich und wir sahen heads-up den Flop: *ac* *kh* *5s*. Er checkte und ich checkte ebenfalls in der Hoffnung, dass er mir das Ass bei einer Turn Bet dann nicht glauben würde. Zudem betrug der Pot bereits ca. 11'000 und er hatte nur noch rund 25'000 behind. Der Turn brachte dann den *jh*. Zwar würde mich jetzt *ax* *jx* schlagen, jedoch hätte ich in diesem Fall noch einige Outs zu Straight und Flush gehabt. Er checkt und ich setze ca. 8'000, worauf er all-in movt. Ich calle und sein Kollegen neben ihm sagt "Jetzt bist Du glaube ich draussen", was ich natürlich sehr gerne hörte! :) Er zeigte *kd* *10d* und war somit ein 8-to-1 Underdog gegen meine Hand. Die Riverkarte besiegelte schliesslich sein Schicksal und mein Stack wuchs wieder auf knapp unter 80'000 an bei average von ca. 45'000.
Das Teilnehmerfeld lichtete sich nun relativ schnell, gespielt wurde nur noch an zwei Tischen die natürlich je länger je shorter wurden. Einige Orbits später raiste ich *ac* *qh* UTG als wir noch zu acht am Tisch waren. Der sehr weake Chip Leader mit ca. 120'000 Chips callte meinen Raise auf 5'000 und der BB pushte over-the-top all-in für 25'000. Ich war mir sogleich recht sicher, dass das häufig ein Squeeze Versuch mit gratis Tilt ist, da er kurz zuvor einen grossen Pot gegen einen 3-Outer verlor. Nun da ich relativ sicher war die bessere Hand als der BB zu halten, war mein einziges Problem der Chip Leader welcher sich noch hinter mir befand. Ich wollte hier nicht einfach callen, da er zuvor in einer ähnlichen Situation bereits auch mal gecallt hatte. Dann hätte der Pot bereits 75'000 betragen und wenn ich auf dem Flop nix getroffen hätte wär's unangenehm geworden. So entschloss ich mich für einen minimum Re-Raise auf 50'000 welcher den Chip Leader zum Folden brachte. So kam es zum Show-down und der BB zeigte *2h* *3h*, ich war also absolut richtig in meinem Read! Natürlich war es nur eine 60/40 Situation, doch als er schliesslich die *2d* auf dem Flop traff und das reichte um diesen grossen Pot zu gewinnen, kochte ich innerlich! Anstatt rauf auf 110'000 war ich nun wieder down auf 55'000 was noch knapp dem average entsprach zu diesem Zeitpunkt.
Mit ungefähr diesem Stack kam ich dann später auch an den Final Table mit 10 Spielern, ausbezahlt wurden die Top7: 7. 200$, 6. 300$, 5. 350$, 4. 400$, 3. 700$, 2. 1'200$, 1. 1'800$). Bei Blinds 4'000/8'000 wurde der Button neu ausgelost und landete glücklicherweise gleich ein Platz zu meiner linken. So konnte ich sogleich zum ersten Mal die Blinds angreifen und gewinnen, womit ich meinen Stack immerhin um rund 20% aufbauen konnte.
Bei der ersten Austragung des SummerOpen bubbelte ich ja (mit Pocket Tens gegen Aces gelaufen), dieses Mal hoffte ich natürlich auf etwas mehr "Glück" und einen ITM Finish. Trotz dieses ein bisschen traumatischen Erlebnisses wollte ich aggressiv und "for the win" spielen. Trotz allem ist man dann natürlich auch darauf angewiesen, dass andere Spieler sich gegenseitig eliminieren, doch genau das lief ziemlich harzig zu Beginn. Die Short-Stacks stellten mehrfach die klar schlechtere Hand all-in und wurden von einem Spieler mit mehr Chips und einer besseren Hand gecallt. Gewonnen hat dann aus meiner Sicht allerdings immer der Falsche, nämlich der Short-Stack! *8c* *8h* verlor gegen *as* *8s*, *jc* *js* verlor gegen *ad* *6d* und der Höhepunkt war *4c* *5c* gegen *10c* *10d*. Die Tens floppten zwar das Set und waren auf dem *jx* high Board ein 97% Favourite, doch der Short-Stack zog mit einem Runner-Runner Straight nochmals den Kopf aus der Schlinge! Es war also einmal mehr dicke Haut und viel Geduld gefordert...
In dieser Phase war ich meines Zeichens ein Mal all-in mit *ac* *8c* gegen *6h* *6s* und gewann diesen wichtigen Coin Flip für mein tournament life. Somit war ich bei ca. 130'000 als schliesslich die Bubble platzte dank einer double elimination, die leider auch einen Kollegen von mir getroffen hatte. Trotzdem war die Erleichterung es in-the-money geschafft zu haben erstmal gross, denn 10 Stunden zu spielen und dann kurz vor der Ziellinie zu scheitern ist nicht besonders lustig.
Ich spielte nun weiterhin sehr aggressiv bei den hohen Blinds (8'000/16'000) mit dem klaren Ziel in die Top3 vorzustossen, da es erst ab dort preisgeldmässig interessant wird. Einige Orbits später waren wir dann dank einer weiteren double elimination tatsächlich noch zu dritt und jeder hatte 700$ auf sicher. Nach einigen gespielten Händen hatte ich ca. 140'000 Chips und meine Gegner 160'000 und 450'000. Mittlerweile war es bereits 1:30 Uhr morgens so dass ich grundsätzlich die Frage eines Deals in die Runde warf und damit auf offene Ohren stiess. Wir teilten schliesslich die 3'700$ Total Prize Money auf, der Chip Leader kriegte 1'500$, ich und der andere Short-Stack jeweils 1'100$. Das war für mich natürlich OK, zumal bei den Blind Levels eh nicht mehr so richtig gespielt werden konnte. Wären die Blinds statt 8k/16k noch 5k/10k gewesen hätte ich es wohl bevorzugt weiterzuspielen.
So endete dieses Wochenende trotz der Final Niederlagen von Roger Federer in Wimbledon doch noch versöhnlich. Mit meinem Spiel war ich im Grossen und Ganzen zufrieden und für ein Mal wurde ich sogar von Suck-outs verschont und gewann einen Coin-Flip -- wow...! :D
Play tough, stay tuned!
Marc