In einer Beziehung kann ich jedoch mit Ralph nicht mithalten. Ich bin bei weitem nicht so fotogen (bedeutet nicht gut aussehend!) wie er. Unglaublich mit welchen Schnappschüssen sich der Ostschweizer immer wieder im Netz bei pokeraction.info präsentiert. Einfallsreich, witzig, pointiert – und vielleicht auch ein bisschen narzisstisch? Egal, ein bisschen sind wir Pokerspieler wohl alle in uns selber verliebt.
Meine erste Begegnung mit Ralph Kahlmann hatte ich in Thun im Kings Poker Club. Ralph spielte zum ersten Mal in Thun und wurde von zwei guten Freunden ins Berner Oberland begleitet. Ich kann mich gut an den Start des Turniers erinnern. Bevor sich die drei „Chügelispiggkr“ an die Tische setzten, klatschten sie einander die Hände ab, so wie dies viele Mannschaftssportler vor einem Ernstkampf tun. „Chügelispiggkr“ nenne ich übrigens die Ostschweizer, wohlverstanden wegen ihrem doch etwas speziellen Dialekt. Zwei dieser drei Ostschweizer traf ich schliesslich beim Finaltisch wieder. Als Smallstack ging mir Peter Hartmann so was auf den Sack, weil er vor jedem Call oder Fold eine riesen Show abzog (schlimmer als Zurzolo!!!). Die Blinds stiegen und stiegen und mein Stack sank und sank. Irgendeinmal konnte ich dann verdoppeln und fand zurück ins Spiel. Ganz am Schluss sassen wir noch zu dritt am Tische. Der Spielverzögerer, Ralph Kahlmann und ich. Nach einem langweiligen Geplänkel einigten wir uns schliesslich auf einen Deal. Wir hatten in etwa gleich viele Chips und so sicherten wir uns alle den gleichen Geldbetrag. Ralph bestand jedoch darauf, das Turnier zu Ende zu spielen, da ihm die Swiss Ranking – Punkte wichtig waren. Peter und mir waren diese egal. Ich ging mit einem Baby-As all-in und er callte mit Q7s. Peter traf die sieben und ich belegte den dritten Platz. Im Heads-up setzte sich dann Ralph relativ rasch durch. Die beiden hatten logischerweise eine riesige Freude. Ist doch immer speziell, mit einem guten Freund ein Heads-up zu bestreiten, oder nicht? Für mich persönlich war dieser dritte Platz eigentlich mein erster inoffizieller Turniersieg. Ich gewann soviel an Preisgeld wie der erstplatzierte, und die Punkte waren mir damals wirklich egal. Ende Juli war das mein 10. Turnier und ich hatte keinerlei Ambitionen auf einen Spitzenplatz im Swiss Ranking. Anschliessend tranken wir zusammen ein Bierchen an der Bar und wir unterhielten uns ein bisschen. Ich merkte sofort, dass die drei Ostschweizer ganz angenehme Zeitgenossen sind, und mit ein bisschen Alkohol im Blut und etwas Geld im Sack kann man auch getrost über den Dialekt hinweghören.
Von da an verfolgte ich natürlich auch die Resultate von Ralph. Abschliessend darf man erwähnen, dass seine Resultate beeindrucken. Ich weiss nicht genau, wie viele Turniere er spielte. Er hat von den Top-Ten-Spielern aber am wenigsten Resultate aufzuweisen, nämlich nur deren 18. Im Gegenzug bedeutet das, dass er auf keinen Fall ein Platzspieler ist und, wie bereits erwähnt, 7 Siege einfuhr. Zudem erzielte er viele weitere Podestplätze und nur selten wurde er 8. oder 9. Sein grösster Wurf gelang ihm in Baden an einem Sonntagsturnier, wo er sich gegen starke Konkurrenz durchsetzte und einen fünfstelligen Betrag gewann. In Baden bei den Sonntagsturnieren gibt es kaum Zufallssieger. Ralph Kahlmann kann bestimmt etwas. Er gehört für mich nicht zu den Favoriten, kann jedoch den Final Table an einem „guten Tag“ gewinnen. Wenn ihn seine Freunde und Bekannten am nächsten Donnerstag in der Poker Lounge so unterstützen, wie von gestern auf heute beim Abstimmen der „Sieger-Umfrage“ bei pokeraction.info, dann ist sowieso alles möglich!
bis zum nächsten Mal, Michel Fankhauser