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Bisher war ich immer der Annahme, dass jeder Spieler, der online Cash Games spielt, sich auch mit dem Thema Table Selection befasst. Einige Gespräche mit anderen Spielern haben mich in jüngster Vergangenheit jedoch eines Besseren belehrt. Das war der Auslöser für mich mal einen etwas anderen Blog zu verfassen.

 

Was ist überhaupt Table Selection?  Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Tisch Auswahl“. Die Grundidee dahinter ist ganz einfach: Anstatt sich an den erst besten Tisch zu setzen und loszulegen, wählt man seinen Tisch gezielt aus und nimmt dabei auch ein bisschen Wartezeit in Kauf. „Wozu der ganze Aufwand?“ werden sich jetzt vielleicht einige fragen. Doch wenn ihr die Wahl hättet zwischen einem Tisch gespickt mit starken Spielern und einem Tisch voller schwacher Spieler, an welchem Tisch würdet ihr lieber spielen? Die Frage ist natürlich eher rhetorischer Natur, schliesslich geht es bei diesem Spiel schlussendlich darum Geld zu machen – und schlechte Spieler sind nun mal viel spendabler wie gute Spieler. :)

 

Einfachstes Kriterium einen schwachen Tisch zu finden ist die Kennzahl Players per Flop, welche zusammen mit Average Pot in der Lobby der meisten grösseren Pokersites angezeigt wird. Diese Prozentzahl zeigt an wieviele der sich am Tisch befindlichen Spieler durchschnittlich den Flop sehen und bezieht sich je nach Anbieter auf die letzten rund 20 Hände.

 

Bei short-handed/6max Games sind Tische mit einem Wert von 30% oder weniger eher tight, im Schnitt gehen 1.8 Spieler zum Flop. Das heisst, dass die meisten Flops Heads-up gespielt werden und zudem auch häufiger pre-flop auf einen Raise alle Spieler folden. Die interessanteren Tische für typische TAGs sind Tische mit einem Players per Flop Wert von 40% oder mehr – je höher desto besser! Es gibt hier häufiger multi-way pots und es werden auch viel zu oft pre-flop Raises gecallt. Hier tummeln sich also typischerweise jene Spieler, die zu viele Händ spielen und nur darauf warten ausgenomomen zu werden!

 

Die Kennzahl Average Pot zeigt an, wieviel der durchschnittliche Pot an diesem Tisch beträgt. Dies ist zwar ebenfalls ein Selektionskriterium, allerdings erst an 3. Stelle: Nach Players per Flop und den Stack Sizes am Tisch.

 

Gegen Short Stacks spielen macht nicht nur keinen Spass sondern ist auch weniger lukrativ. Können wir sie zu einem Fehler verleiten, gewinnen wir lediglich ihre 20 bis 40 Big Blinds. Interessant sind schlechte Spieler die wie wir mit vollen Stacks von 100 BB‘s oder mehr am Tisch sitzen. In der Lobby kann man je nach Anbieter in einem kleinen Fenster auf der rechten Seite gleich die Stack Sizes der Spieler am ausgewählten Tisch anzeigen, man braucht für diese Info den Tisch selber also nicht unbedingt zu öffnen. Hier gilt also als Grundsatz, dass wir eher an einem Tisch mit möglichst vielen Full Stacks spielen wollen wie gegen Short Stacks pre-flop Entscheidungen zu suchen.

 

Ist schliesslich ein passender Tisch gefunden, lässt man sich dort auf die Warteliste setzen, denn meistens sind noch alle Plätze besetzt. Auch hier findet sich in der Lobby eine weitere wichtige Info, nämlich die Anzahl sich bereits auf der Warteliste befindlicher Spieler. Wenn an einem attraktiven Tisch bereits 3 oder 4 Spieler auf der Warteliste stehen, ist er meist nicht mehr so interessant wie zuerst angenommen: Bis wir unseren Platz einnehmen können sind die schwachen Spieler häufig schon verschwunden und wurden von besseren Spielern abgelöst. Die Tatsache, dass die neuen Spieler sich aktiv nach schwächeren Tischen umgesehen haben ist ein Anzeichen dafür, dass sie in der Tat stärker sind als jene Spieler, die vorher nach am Tisch waren.

 

Der letzte Schritt für eine profitable Table Selection erfolgt dann am Tisch selber, denn erst wenn wir einen Platz eingenommen haben ist ersichtlich, wo welche Spieler sitzen. Idealerweise sitzen die Big Stacks zu unserer rechten Seite wo wir Position auf sie haben. Short Stacks können ruhig Position auf uns haben und links von uns sitzen, sie sind eh nicht unsere Hauptgegner am Tisch. Eher loose Gegner – sowohl passive als auch aggressive – sitzen vorzugsweise ebenfalls zu unserer rechten. Wer welchen Spielstil pflegt erkennt man relativ schnell an den Stats von PokerTracker oder ähnlicher Software, welche ein Must Have für jeden seriösen Spieler von online Cash Games ist.

 

Natürlich gibt es ihn nicht, den perfekten Tisch bei welchem alle Kriterien erfüllt sind. Wenn man dabei an die Spielerfluktuation denkt, wird einem auch klar wieso. Für eine möglichst optimale Table Selection bedeutet dies, dass wir kontinuierlich überwachen sollten ob unsere Tables noch unseren Kriterien entsprechen. Wenn nicht beginnt der Prozess von vorne: Lobby einblenden und nach besseren, softeren Tischen suchen bei denen wir eine bessere Gewinnerwartung haben.

 

Good luck at the tables!

 

Marc