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Von: Marc Schöni

Unglaublich wie schnell zwei Wochen in der Wüste Nevada’s vergehen können. Wie geplant habe ich die Mehrheit der zweiten Woche in Las Vegas im Poker Room des Venetian verbracht.

Von meinen beiden Sessions am Samstag und Sonntag habe ich ja bereits berichtet, hier nun ein kleines Resumé der restlichen Tage letzter Woche, die ziemlich gemischt verlaufen ist.

 

Am Montag schauten wir vor unserer Cash Game Session noch kurz im Bellagio beim WPT Championship Event rein. Dort kamen wir pünktlich zur Pause und sahen einige Pros hautnah, u.a. z.B. Dan Harrington, Daniel Negreanu, Men Nguyen, Jennifer Harman, Howard Lederer usw. Kurz nachdem das Spiel wieder aufgenommen wurde stand plötzlich ein grosser, dunkel gekleideter Mann von einem der Tische auf, seine Hände verwerfend und etwas vor sich hin murmelnd. Das konnte nur einer seiner: Phil Hellmuth! Offenbar flog er soeben aus dem Turnier und verbrachte nun längere Zeit an seinem Handy; da musste sich wohl jemand eine Bad Beat Story anhören. :) Er lief mehrmals an uns vorbei und als er endlich mit seinem Telefonat fertig war schnappte ihn ich mir für einen kurzen Schnappschuss. Schliesslich hat man ja nicht jeden Tag die Möglichkeit sich mit dem erfolgreichsten Spieler der WSOP Geschichte ablichten zu lassen.

 

Hier gibt's den Link zum Bild: www.pokeraction.info/fileadmin/_temp_/Phil_and_Marc.jpg

 

Anschliessend fuhren wir zurück ins Venetian. Die Montags Session dauerte total 9 Stunden wovon ich 8 Stunden im roten Bereich verbrachte, zwischenzeitlich stand ich bei -200$. In der letzten Stunde konnte ich dann einen relativ grossen Pot gewinnen mit einem Set Seven’s als mein Gegner Top Pair nicht folden konnte oder wollte. Schlussendlich checkte ich mit einem mikrigen plus von 25$ aus. Angesichts des schlechten Starts war ich damit aber soweit doch zufrieden, auch wenn ich mir natürlich mehr versprochen hatte.

 

Der Dienstag lief ähnlich schwach wie der Vortag. Wieder floppte ich mit high Cards nur garbage und wenn ich mal mit *6d* *7d* im Pot war brachte der Flop ausschliesslich *as* *ks* *qs*. Nachdem ich zwischenzeitlich mal bei ca. +80$ war ging’s zum Ende der Session wieder runter auf schlussendlich -20$, was ich mehrheitlich *ax* *kx* etc. zu verdanken hatte. Eine Hand gab’s noch, in welcher ich mich nachträglich ab mir selber nervte.

 

Ein recht starker LAG raist UTG auf 6$, ein eher schwächerer aber ebenfalls looser Spieler re-raist auf 12$ was vom Spieler auf dem Button gecallt wird. Ich halte im BB *ax* *kx* und calle ebenfalls, der ursprüngliche Raiser re-raist erneut auf 42$, was von beiden Spielern gecallt wird! Ich calle schliesslich auch und der Flop bringt *jd* *7d* *3h*. Ich checke, der UTG Raiser setzt 70$ in den 170$ Pot und der ursprüngliche 3-Better pusht all-in für 150$ oder so. Der Bettor callt schliesslich und zeigt im Show-down *qd* *jh*, liegt aber weit hinten gegen *ac* *js* des schwächeren Spielers. Angesichts der Images der in die Hand involvierten Spieler hätte ich hier pre-flop nach der 4-bet wohl pushen sollen, schliesslich lagen schon 130$ im Pot! Natürlich kann einer der Gegner mit einem Monster (Aces oder Kings) aufwarten, aber gegen diese spezifischen Spieler denke ich wäre dieses Play +EV gewesen. Das ist mir auch so durch den Kopf gegangen in dieser Situation; but just couldn’t pull the trigger. Scared money lässt grüssen… :(

 

Am Mittwoch war dann offenbar Promi Tag im Venetian angesagt. Zuerst nahm Schauspielerin Mena Suvari (American Pie, American Beauty) nebenmir Platz. Meine Konzentration liess für kurze Zeit nach, doch sie verliess den Tisch rund eine halbe Stunde und ein Double-up später wieder.

 

Einige Stunden später spielte ich an einem anderen Tisch als plötzlich Steve Dannenmann drei Plätze rechts von mir Platz nahm. Alle, die irgendwann mal Aufzeichnungen der WSOP 2005 gesehen haben, dürfte den sympathischen Amateur aus Maryland noch kennen. Er unterlag im Main Event im Heads-up der gefloppten Straight von Joe Hachem. Steve machte auch an diesem Tisch seinem Ruf als Scherzkeks jede Ehre und alberte herum was das Zeug hielt. Er meinte er würde lieber NLHE 1/2$ spielen weil hier die Spieler noch reden würden, bei den 10/20 Games ginge es ihm zu ernst zur Sache. Dort hätte er dann vielleicht auch nicht so viele Trash Hände geraist. Für jeden, der sehr wohl auf sein Geld wert legte, war nun also Geduld angesagt.

 

Es dauert etwa eine halbe Stunde bis Steve wieder mal in einem Pot war und ich schliesslich hinter ihm mit *ac* *kd* auf 15$ raiste. Er callte und wir sahen heads-up den Flop *ah* *ks* *jc*. Er checkte zu mir, ich bettete 20$ und er callte. Auf dem Turn fiel dann *kh* welcher bei mir natürlich jede Angst vor einer gefloppten Straight beseitigte. Steve checkt wieder, ich bette 55$ und er pusht all-in. Meine Chips waren schneller in der Mitte als seine und er war mit *kc* *4c* drawing dead. Er forderte die Dealerin vergebens auf einen 5. König aufzudecken. Die 200$, die er gerade verloren hatte, bedeuteten mir aber bestimmt viel mehr wie ihm. :)

 

Die Session am Mittwoch endete schliesslich mit total 310$ im plus, der Grossteil davon stammte natürlich von der oben beschriebenen Hand mit Steve Dannenmann.

 

Donnerstag war dann zugleich schon die letzte Session dieses Aufenthaltes angesagt. Wir flogen am Freitag morgen um 7:30 wieder weg von Vegas via Atlanta nach Zürich und hatten uns vorgenommen die ganze Nacht durchzuspielen um dann im Flugzeug schlafen zu können. Der Plan ging ganz gut auf, ein bisschen Jet lag verspürten wir allerdings trotzdem.

 

Die letzte Session schloss ich schliesslich mit einem plus von 360$ ab, womit ich natürlich ganz zufrieden war. In den ersten zwei Stunden erfuhr ich einen richtiggehenden Card Rush der etwas für die eher schwachen Starthände der vorherigen Sessions entschädigte: Je ein Mal Aces, Queens und Jacks sowie zwei Mal Kings.

 

Als ich das erste Mal Kings erhielt spielte ich in einem 3-way pot und floppte Top Set auf einem *ks* *6s* *3d* Board und setzt auf dem Flop 3/4 Pot und fand nur einen Caller. Als auf dem Turn die *2c* fiel pushte er schliesslich auf meine ursprüngliche Bet von 40$ all-in für seine restlichen 80$ was ich natürlich umgehend callte. Er zeigte im show-down schliesslich *qs* *5s*, hatte also nur Flush Draw doch auf dem River pairte sich das Board und er war geschlagen.

 

Einige Orbits später verlor ich mit Aces ein paar Dollar als ich UTG raiste und auf dem *3c* *5c* *7c* Flop setzte und gleich zwei Mal geraist wurde. Ich hatte zwar das *ac* doch war mir ziemlich sicher hier behind zu sein. Der 1. Raiser hatte ca. 400$ behind nach seinem Raise und hätte auf den Reraise all-in des 2. Raiser nochmals over-the-top gehen können falls ich gecallt hätte. Ich habe schliesslich gefoldet und im Show-down wurden *jc* *9c* und *4x* *6x* aufgedeckt. Auf dem Turn field zwar dann die *qc*, war aber trotzdem ein guter Lay-down denke ich.

 

Den grössten Pot des Abends - und zugleich meinen letzten grossen Pot in Las Vegas – gewann ich dann wiederum mit Kings. Nachdem 4$ Straddle limpen 3 Spieler in den Pot, ich raise mit Kings auf 20$ und finde zwei Caller, gegen die ich Position habe. Den *kc* *9h* *5s* Flop checken beide, ich setze 40$ in der Hoffnung auf einen Check-Raise des einen, relativ loosen Gegenspielers mit einem grossen Stack, doch stattdessen callen beide! Turn ist die *qc* die theoretisch einen Gut-shot komplettiert. Der loose Spieler setzt 50$ in den 200$ Pot und der Short-stack zu meiner linken callt ebenfalls mit nur noch 60$ behind. Ich pushe schliesslich all-in und war mir ziemlich sicher, dass mindestens einer der beiden ebenfalls ein Set halt. Der Big Stack foldet schliesslich nach einigem Überlegen, der Short-stack callt mit Pocket 9’s und ich gewinne schliesslich auf dem River diesen grossen Pot.

 

Gesamthaft erspielte ich mir während dieses Vegas Aufenthaltes etwas mehr als 900$ bei den Cash Games, was ziemlich genau 10 BB’s pro Stunde ergibt. Ist denke ich OK, hätte mir aber noch etwas mehr erhofft.

 

Mittlerweile bin ich wieder zu Hause angekommen und habe mich gestern gleich poker-technisch wieder akklimatisieren können beim Freeroll Turnier von pokerfreunde.ch. Dort habe ich mein Ziel Final Table erreicht (9.) und bin damit qualifziert für das Jahresendfinale wo u.a. ein Buy-in für das Grand Casino Baden Open Ende Jahr vergeben wird. So darf’s gerne weitergehen… :)

 

Play tough,

 

Marc